Wer zu einer Wallfahrt aufbricht, kommt mit mehr nach Hause, als er/sie mitgenommen hat. Und ich denke jetzt nicht nur an heimgebrachte Souvenirs oder im Fall von Lourdes das sagenumwobene, heilsame Wasser.
Seit der letzten Lourdeswallfahrt begleitet mich ein Marienbild, das mir eine Frau schenkte, die seit Jahren unter schweren Rückenschmerzen leidet. Sie malte das Bild mit der Mariengestalt in der Erscheinungsgrotte selber. Bei der Übergabe ihres Geschenkes sagte die Frau zu mir:
„Dieses Bild soll Dich an mich erinnern und Maria anrufen lassen auch für mich...“. Natürlich freute sich die malende Frau über meine dankbare Bewunderung für ihr Werk. Trotzdem war spürbar, dass ihr das andere wichtiger war: Das geschenkte Marienbild sollte ihr vertrauensvolles Gebetsanliegen unterstreichen. Seither hat Antonla‘s Marienbild seinen festen Platz in meinem Zimmer. Mehr noch, Maria‘s mütterliche Vermittlerrolle ist mir wieder etwas näher gekommen. Auch sie möchte nicht, dass wir an ihr und ihrem Bild kleben. Lieber ist es ihr, wenn uns das Anrufen ihres Namens oder das Anschauen ihres Bildes in die Lage versetzt, hingebungsvoller und hoffnungsfroher zu leben. Sie, die „niedrige Magd des Herrn“, wie es im Evangelium heisst, zeigt uns, dass wir nicht Bundesrat werden müssen, um Licht in diese Welt zu bringen. Maria will uns ins Bild setzen, dass sich die Bereitschaft lohnt, den eigenen Träumen und tiefsten Sehnsüchten zu folgen und mit Leib und Seele dafür einzustehen.
Maria, die reine Magd, ist das unverstellte Bild einer Frau, die uns immerzu herauslockt aus den Höhlen trüber Gedanken und träger Tatenlosigkeit. Einer Lichtgestalt gleich, hat sie damals vor fast 150 Jahren die Enge und das Dunkel im Dasein von Bernadette aufgebrochen. Mit jedem „Ave Maria“ tasten wir uns an das Vertrauen heran, selber vom Licht Christi erfüllt zu sein, selber Lichtgestalt mit und für andere zu werden. Amen

Pfr. Stefan Staubli