Wenn Jesus von seiner Einheit mit dem Vater im HI. Geist spricht, dann will Er uns damit keine theologische Denksportaufgabe stellen. Das christliche, eben dreifaltige Gottesbild will uns Zugänge zu ihm eröffnen und aufzeigen, dass wir an einen beziehungsreichen und nach Beziehung gleichsam dürstenden Gott glauben.

Daran knüpft eine meiner Lourdeserfahrungen.
Mir scheint, dass viele Lourdespilger den Glauben neu als ein Beziehungsgeschehen resp. eine geschenkte Beziehung erleben und erkennen. Nur schon die viel gehörte Aussage, „es zieht mich einfach immer wieder nach Lourdes“, deutet das an. „Es zieht mich...“. Was oder wer ist es, das da zieht?
Sicher, die Erscheinungsgrotte ist ein faszinierender Kraftort, oftmals aber auch ein regelrechter Tummelplatz von allerlei Pilgern und Touristen. Die eindrücklichen Gottesdienste und Prozessionen lassen die Stimmung und die Schönheit von Weltkirche aufleben (und die leeren Kirchenbänke zu Hause etwas vergessen), gleichwohl wird in ihnen nicht besser oder schlechter gefeiert und gepredigt wie an vielen anderen Orten auf der Welt. — also zieht nach Lourdes?
Meine Vermutung: Es sind die Begegnungen oder nur schon der Anblick von Menschen, die spürbar und sichtbar aus ihrer Gottbeziehung leben, Kraft schöpfen. Ich denke jetzt nicht an strahlende Gesichter, wie sie allerorten von Werbeplakaten auf uns herablächeln. Vielmehr kommt mir das Bild jener betagten, mehrfach behinderten Frau mit verkrüppelten Händen und verzerrtem Gesicht, die mehr liegend wie sitzend im Rollstuhl hängt und mir erzählt, wie sie mit Gott spricht und noch mehr auf Ihn vertrauen möchte. Oder der ca. 30 jährige MS Patient, der bekennt, dass er Gott nicht mehr um Gesundheit bittet, aber täglich betet, dass sein Leben sinnvoll und fruchtbar bleibt für andere. Oder der fast bewegungslos auf der Schrage liegende Mann, der mich segnet mit jener Hand, die er noch bewegen kann.
In Lourdes bewegen wir uns jenseits der Fragen, wie der neue Bischof heisst und wie viele Gottesdienstbesuche heilsnotwendig sind. Stattdessen lassen Menschen in ihrem ganzen Sein durchscheinen, dass für sie Gott absolut notwendig, ein Leben ohne Ihn undenkbar und vor allem nicht lebbar ist.
Ein Ort mit Menschen, für die der Glaube zu einer existentiellen Beziehung geworden ist, ein solcher Ort ist anziehend. Amen.

Pfr. Stefan Staubli